Lohnt sich ein Geburtsvorbereitungskurs?

Lohnt sich ein Geburtsvorbereitungskurs?

Viele zum ersten Mal Schwangere stellen sich mit Sicherheit die Frage, ob sich eigentlich ein Geburtsvorbereitungskurs lohnt. Ich verrate euch nach meinem ersten Eindruck mein eher unbefriedigendes Fazit.

Als Schwangere hatte ich oft das Gefühl möglichst viele Kurse, Angebote und Leistungen nutzen zu müssen. Das haben mir vor allem Mütter und andere Schwangere vermittelt und mir ein klein wenig das unangenehme Gefühl geben mit allem Wichtigen viel zu ‘kurz vor knapp’ zu sein: “Wie du hast noch…

kein Krankenhaus?”
keinen Platz in einem Geburtsvorbereitungskurs?”
keinen Stillkurs belegt?”
keinen Kitaplatzantrag gestellt?”
keinen Kinderarzt?”
keinen Platz in einem Rückbildungskurs?”
keine Hebamme?”
keine Nachsorgehebamme?”

Übrigens: ich war zu dem Zeitpunkt gerade mal im 3. – 4. Monat schwanger! Das meiste davon finde ich tatsächlich einfach ziemlich unnötig, dachte mir aber so ein Geburtsvorbereitungskurs könnte ja nicht schaden. Paar wichtige Infos und Wehen-Veratmungs-Techniken abstauben, Gleichgesinnte kennenlernen, mit denen man später mal mit Kinderwagen um die Häuser ziehen kann.

Fehler Nummer eins: Einen Kurs am Arsch der Welt zu belegen, nur weil irgendeine Freundin da auch hingeht rentiert sich nicht. Denn nein, ich bin keine Mutti München Ost, sondern wohne Mitten in der Stadt. Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich spontan auf einen Kaffee trifft ist also noch geringer, als ohnehin schon. 

Insgesamt Betsand der Kurs aus 4 Abenden, je circa 3 Stunden, 8 Schwangeren, 9 Babys, einer Kursleiterin, Matten, Kissen und Tee für 90 €. Beim dritten Treffen sollten auch die Partner dabei sein, für nochmal 15 €.

Die ersten zwei Treffen, waren bis auf die Kennenlernspiele ganz informativ. Leider aber nichts, was man sich nicht auch in einem Artikel oder einem Youtube Erfahrungsbericht anhören hätte können. Neben Übungen im liegen auf einem Tennisball im Schulterblatt , um den Schmerz Wegatmen zu lernen, haben wir noch diverse Gebärstelleungen  ausprobiert. Aber mal ehrlich, selbst jetzt nach der Geburt kann ich mir im normalen Zustand einfach nicht vorstellen, wie eine Wehe kommt und wieder geht. Wie und wo ich dafür entspannen muss. Genutzt habe ich während den Wehen und der Geburt weder ein Tuch, noch einen Gymnastikball und auch keinen Gebärstuhl. An das in den Bauch atmen hat mich dann die Hebamme im Krankenhaus erinnert und mir gezeigt, wie sehr man wirklich in den Bauch atmen muss, dass es weniger schmerzt. Hat übrigens geklappt! Was mich auch sehr aus der Bahn geworfen hat, waren die Entspannungsübungen bei denen Fragen wie “Was war gut/schlecht an deinem Tag?” und Aussagen wie “Bald ist es soweit, dann hast du dein Baby!” zum Nachdenken und Anregen gestellt worden sind. Meine Tage waren zu dem Zeitpunkt mehr schlecht als recht und mein Baby endlich im Arm zu halten hat in mir Panik und ein Gefühl von ‘Ich bin noch nicht bereit’ gepaart Herzrasen ausgelöst. Alles in allem Fragen über die ich mir auch daheim, ohne dafür zu zahlen, Gedanken hätte machen können.

Das Partnertreffen

Das dritte Treffen mit den Partnern war schon spannender, aber auch hier hätte ich persönlich auf den ganzen ‘Wer ist wer’ Kram verzichten können, denn obwohl alle ganz nett waren, war es mir relativ egal wer mit wem wann wie was gezeugt hat. Dass ich meine Nachmittage nicht mit den Muttis aus der Gruppe verbringen würde, war reaktiv schnell klar. Es hat eben einfach nicht gefunkt. Für satte 15 € Partnergebühren wurde uns dann dasselbe erzählt wie schon in der zweiten Sitzung, nur eben auch für die Ohren von Lukas. Paar Partneratemübungen mit anschließender Analyse und Tennisball-Massagen später (ich durfte mich dabei nicht auf Lukas Popo hocken), wurde mir jedenfalls klar, dass ich mir da einen wirklich tollen Partner geangelt habe auf den ich mich während der Geburt mit Sicherheit wirklich verlassen konnte, denn statt irgendwelchen Leitfäden zu folgen haben wir instinktiv einfach aufeinander reagiert. Wir fanden es jedenfalls nicht nervig wie der andere atmet und auch beim Partnertausch hat er sich nicht halb so blöd angestellt wie manch anderer.

Den vierten und letzten Abend habe ich dann ausfallen lassen.

Fazit

Wer sich durch Kurse sicherer fühlt und nach einem ‘netten’ Zeitvertreib während der Schwangerschaft sucht wird in einem Geburtsvorbereitungskurs bestimmt ganz glücklich. Mich persönlich hat es nicht erfüllt, mehr aufgewühlt als entspannt und letztendlich ist mir von allem geübten nicht wirklich etwas hängengeblieben, was ich dann effektiv während der Geburt genutzt habe. Wer unbedingt andere Mütter kennenlernen will kann übrigens genauso gut auf den Spielplatz gehen. Und selbst da ist nicht garantiert, dass man eine neue Mutti-Gang gründet, denn wie auch in anderen Lebenslagen haben wir alle unterschiedliche Charaktere, auch wenn uns die ein oder andere Sache verbindet. Da muss schon mehr passieren, als dass man zur etwa selben Zeit ein Kind bekommt.

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